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| Restaurierte Wohnhäuser in Bad Frankenhausen. Foto: Heiko Weckbrodt |
Man kennt viele Kleinstädte in Ostdeutschland, die völlig am Ende sind - finanziell, demografisch und im Erhaltungszustand. Bad Frankenhausen wirkt wie das Gegenteil: Viele alte, teils noch aus dem Mittelalter stammende Häuser sind sehr schön restauriert, es gibt Brunnen, Kletterfelsen für Kinder, ein Freibad und eine Therme. Zudem werden Stadtpark und Innenstadt sichtlich regelmäßig gepflegt.
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| Schiefer Kirchturm vom Bad Frankenhausen. Foto: Heiko Weckbrodt |
Vor allem aber lockt Bad Frankenhausen mit ein paar hochkarätigen touristischen Sehenswürdigkeiten, die auch einen längeren Aufenthalt rechtfertigen. Dazu gehört das zu DDR-Zeiten von Werner Tübke gemalte Bauernschlacht-Riesengemälde im „Panorama“ (geöffnet täglich ab 10 Uhr), der Schiefe Kirchturm (noch schiefer als der in Pisa), die Senke mit der Elisabeth-Quelle (war allerdings ohne Wasser, als wir da waren) und, per Auto nur 20 min entfernt, das Kyffhäuser-Denkmal.
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| Panorama-Komplex in Bad Frankenhausen. Foto: Heiko Weckbrodt |
Das Bauernschlacht-Panorama
Ein Muss für historisch Interessierte. Das 1989 eingeweihte 18 Meter hohe Rondell beherbergt eines der größten Ölfarben-Panoramabilder weltweit. Verewigt ist darauf nicht nur die die Bauernschlacht von Bad Frankenhausen, durch die der sozialrevolutionäre Reformator Thomas Münzer letztlich Bauernkrieg und seinen Kopf verlor, sondern auch ein Zustands- und Visionsbild der (europäischen) Welt am ausgehenden Mittelalters und beim Übergang in die Neuzeit. Fotografiert werden darf innen leider nicht, auch ist der Museums-Laden etwas karg bestückt. Die Wirkung des Bildes selbst im halbdunklen Rundsaal ist aber immens.
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| Kyffhäuser-Dankmal nahe Bad Frankenhausen. Foto: Heiko Weckbrodt |
Kyffhäuser-Denkmal:
Parken ist an zwei Parkplätzen möglich (nicht ganz billig). Danach geht‘s zu Fuß bergauf zum steinernen Denkmal (geöffnet bis 18 Uhr), an dem der deutsche Kaiser Wilhelm I. Sich selbst als Reiter und darunter den Staufer-Kaiser Friedrich I. Barbarossa verewigt hat. Eine weite Aussicht gibt es für jene, die die letzten 250 Stufen bis zur Turmspitze schaffen. Der Kaiser, der im Berg schläft und darauf wartet, wieder aufzustehen und das Land in eine bessere Zukunft zu führen, ist ein Jahrhunderte altes Sujet, das sich ursprünglich vor allem auf Barbarossas Enkel Friedrich II. bezog: Auf der Straßen von Palermo aufgewachsen, mit Normannen und Staufern als Vorfahren, erstaunte er als Kaiser und „Stupor Mundi“ die Welt. Friedrich galt es immens sprachgewandt, neugierig und gelehrt, kannte auch die muslimische Welt. Er sicherte sich Jerusalem durch einen Vertrag statt einen Kreuzzug, wie von der Kirche gefordert, lieferte er sich danach einen jahrelangen propagandistischen Endmonsterkampf mit den Päpsten. Gerade dieser Propaganda-Krieg führte dazu, dass viele Menschen die Nachricht von seinem Tod Mitte der 13. Jahrhunderts für eine Lüge der Päpste hielten und so entstand die Mär vom schlafenden Endzeitkaiser, die sich später auf Barbarossa übertrug, der für die deutsche Selbstidentität passender erschien. Fazit: Bad Frankenhausen hat mich positiv überrascht.
Autor: Heiko Weckbrodt




