Epidauros, Donnerstag, vor ca. 2300 Jahren: Poleklas Lakonikos galt schon immer als Unglücksrabe der Familie und diesmal hat es ihn arg getroffen: Bei der Feldarbeit ist ihm ein Stein auf den Fuß gefallen und hat seinen Zeh zerschmettert. Der örtliche Quacksalber hebt die Hände und schickt ihn zum Asklepios-Heiligtum von Epidauros. Nach einem Marsch über abgelegene Bergpfade hinkt der Bauer eingeschüchtert durch das weiß in der Hitze gleißende Säulenportal. Jüngerinnen des Apoll geleiten den Verletzten am riesigen Tholos-Rundbau mit Mamorzier, an den Bädern und Zisternen vorbei zum Fremdenhaus, wo Poleklas eine unruhige Nacht verbringt - immer wieder hochschreckend vom Jammern aus dem Quarantänetrakt, in dem die Priester die ansteckenden Kranken isoliert haben. Die Tempeldiener hatten ihm zwar zur Ablenkung einen Poesieabend im großen Theater nebenan empfohlen, aber nach einem Blick auf die langen Treppen hinauf zu den wenigen freien Plätze ganz oben konnte Poleklas nur noch an seinen schmerzenden Zeh denken.
